!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01 Transitional//EN"> THE GEMINI PROJECT - LYRICS OF 'EXPRESSIS VERBIS: REQUIEM'

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LYRICS


EXPRESSIS VERBIS: REQUIEM
(written 2012-2013/recorded 2013/last revised 2024)
german lyrics by
Andreas Gryphius (1616-1664)
Helmuth Karl Bernhard von Moltke (1800-1891)
Georg Heym (1887-1912)
Jakob van Hoddis (1887-1942)
August Stramm (1874-1915)



[Andreas Gryphius, Menschliche Elende]

WAs sind wir Menschen doch? ein Wohnhau grimmer Schmertzen
Ein Ball des falschen Gl cks / ein Irrlicht diser Zeit.
Ein Schauplatz herber Angst / besetzt mit scharffem Leid /
Ein bald verschmeltzter Schnee und abgebrante Kertzen.
Di Leben fleucht davon wie ein Geschw tz und Schertzen.
Die vor uns abgelegt des schwachen Leibes Kleid
Vnd in das Todten-Buch der grossen Sterblikeit
L ngst eingeschriben sind / sind uns aus Sinn und Hertzen.
Gleich wie ein eitel Traum leicht aus der Acht hinf llt /
Vnd wie ein Strom verscheust / den keine Macht auffh lt:
So mu auch unser Nahm / Lob / Ehr und Ruhm verschwinden /
Was itzund Athem holt /mu mit der Lufft entflihn /
Was nach uns kommen wird / wird uns ins Grab nachzihn
Was sag ich? wir vergehn wie Rauch von starcken Winden.

[Adelbert Theodor Edward Wangemann]

Kreisau am, Schlesien, am einundzwanzigsten Oktober, achtzehnhundertneunundachtzig.

[Helmuth Karl Bernhard von Moltke]

Diese neueste Erfindung des Herrn Edison ist wahrlich staunenswert.
Der Phonograph erm glicht, dass ein Mann, der schon lange im Grabe ruht,
noch einmal seine Stimme erhebt und die Gegenwart begr t.

[Georg Heym, Die Irren]

Der Mond tritt aus der gelben Wolkenwand.
Die Irren h ngen an den Gitterst ben,
Wie gro e Spinnen, die an Mauern kleben.
Entlang den Gartenzaun f hrt ihre Hand.
In offnen S len sieht man T nzer schweben.
Der Ball der Irren ist es. Pl tzlich schreit
Der Wahnsinn auf. Das Br llen pflanzt sich weit,
Da alle Mauern von dem L rme beben.
Mit dem er eben ber Hume* gesprochen,
Den Arzt ergreift ein Irrer mit Gewalt.
Er liegt im Blut. Sein Sch del ist zerbrochen.
Der Haufen Irre schaut vergn gt. Doch bald
Enthuschen sie, da fern die Peitsche knallt,
Den M usen gleich, die in die Erde krochen.

[Jakob van Hoddis, Weltende]

Dem B rger fliegt vom spitzen Kopf der Hut,
In allen L ften hallt es wie Geschrei.
Dachdecker st rzen ab und gehn entzwei
Und an den K sten liest man steigt die Flut.
Der Sturm ist da, die wilden Meere hupfen
An Land, um dicke D mme zu zerdr cken.
Die meisten Menschen haben einen Schnupfen.
Die Eisenbahnen fallen von den Br cken.

[Andreas Gryphius, Thr nen in schwerer Kranckheit.]
MIr ist ich wei nicht wie / ich seuffze f r und f r.
Ich weyne Tag und Nacht / ich sitz in tausend Schmertzen;
Vnd tausend f rcht ich noch / die Krafft in meinem Hertzen
Verschwindt / der Geist verschmacht / die H nde sincken mir.
Die Wangen werden bleich / der muntern Augen Zir
Vergeht / gleich als der Schein der schon verbrannten Kertzen
Die Seele wird best rmt gleich wie die See im Mertzen.
Was ist di Leben doch / was sind wir / ich und ihr?
Was bilden wir uns ein! was w ndschen wir zu haben?
Itzt sind wir hoch und gro und morgen schon vergraben:
Itzt Blumen morgen Kot wir sind ein Wind / ein Schaum /
Ein Nebel / eine Bach / ein Reiff / ein Tau' ein Schaten
Itzt was und morgen nichts / und was sind unser Thaten?
Als ein mit herber Angst durchaus vermischter Traum.

[Andreas Gryphius, Es ist alles eitel.]
DV sihst / wohin du sihst nur Eitelkeit auff Erden.
Was dieser heute baut / reist jener morgen ein:
Wo itzund St dte stehn / wird eine Wiesen seyn /
Auff der ein Sch fers-Kind wird spielen mit den Herden.
Was itzund pr chtig bl ht / sol bald zutretten werden.
Was itzt so pocht vnd trotzt ist morgen Asch vnd Bein /
Nichts ist / das ewig sey / kein Ertz / kein Marmorstein.
Itzt lacht das Gl ck vns an / bald donnern die Beschwerden.
Der hohen Thaten Ruhm mu wie ein Traum vergehn.
Soll denn das Spiel der Zeit / der leichte Mensch bestehn?
Ach! was ist alles di / was wir vor k stlich achten /
Als schlechte Nichtigkeit / als Schatten / Staub vnd Wind;
Als eine Wiesen-Blum / die man nicht wider find t.
Noch wil was ewig ist kein einig Mensch betrachten!

[Georg Heym, Die Morgue]
Die W rter schleichen auf den Sohlen leise,
Wo durch das Tuch es wei von Sch deln blinkt.
Wir, Tote, sammeln uns zur letzten Reise
Durch W sten weit und Meer und Winterwind.

Wir thronen hoch auf kahlen Katafalken,
Mit schwarzen Lappen garstig berdeckt.
Der M rtel f llt. Und aus der Decke Balken
Auf uns ein Christus gro e H nde streckt.

Vorbei ist unsre Zeit. Es ist vollbracht.
Wir sind herunter. Seht, wir sind nun tot.
In wei en Augen wohnt uns schon die Nacht,
Wir schauen nimmermehr ein Morgenrot.

Tretet zur ck von unserer Majest t.
Befa t uns nicht, die schon das Land erschaun
Im Winter weit, davor ein Schatten steht,
Des schwarze Schulter ragt im Abendgraun.

Ihr, die ihr eingeschrumpft wie Zwerge seid,
Ihr, die ihr runzelig liegt auf unserm Scho ,
Wir wuchsen ber euch wie Berge weit
In ewige Todes-Nacht, wie G tter gro .

Mit Kerzen sind wir l cherlich umsteckt,
Wir, die man fr h aus dumpfen Winkeln zog
Noch grunzend, unsre Brust schon blau gefleckt,
Die nachts der Totenvogel berflog.

Wir K nige, die man aus B umen schnitt,
Aus wirrer Luft im Vogel-K nigreich,
Und mancher, der schon tief durch R hricht glitt,
Ein wei es Tier, mit Augen rund und weich.

Vom Herbst verworfen. Faule Frucht der Jahre,
Zerronnen sommers in der Gossen Loch,
Wir, denen langsam auf dem kahlen Haare
Der Julihitze wei e Spinne kroch.

Wir, Namenlose, arme Unbekannte,
In leeren Kellern starben wir allein.
Was ruft ihr uns, da unser Licht verbrannte,
Was st rt ihr unser frohes Stell-Dich-Ein?

Seht den dort, der ein graues Lachen stimmt
Auf dem zerfallnen Munde fr hlich an,
Der auf die Brust die lange Zunge kr mmt,
Er lacht euch aus, der gro e Pelikan.

Er wird euch bei en. Viele Wochen war
Er Gast bei Fischen. Riecht doch wie er stinkt.
Seht, eine Schnecke wohnt ihm noch im Haar,
Die sp ttisch euch mit kleinem F hler winkt.

- Ein kleines Gl ckchen -. Und sie ziehen aus.
Das Dunkel kriecht herein auf schwarzer Hand.
Wir ruhen einsam nun im weiten Haus,
Unz hlige S rge tief an hoher Wand.

Ewige Stille. Und des Lebens Rest
Zerwittert und zerf llt in schwarzer Luft.
Des Todes Wind, der unsre T r verl t,
Die dunkle Lunge voll vom Staub der Gruft,

Er atmet schwer hinaus, wo Regen rauscht,
Eint nig, fern, Musik in unserm Ohr,
Das dunkel in die Nacht dem Sturme lauscht,
Der ruft im Hause traurig und sonor.

Und der Verwesung blauer Glorienschein
Entz ndet sich auf unserm Angesicht.
Ein Ratte hopst auf nacktem Zehenbein,
Komm nur, wir st ren deinen Hunger nicht.

Wir zogen aus, geg rtet wie Giganten,
Ein jeder klirrte wie ein Goliath.
Nun haben wir die M use zu Trabanten,
Und unser Fleisch ward d rrer Maden Pfad.

Wir, Ikariden, die mit wei er Schwinge
Im blauen Sturm des Lichtes einst gebraust,
Wir h rten noch der gro en T rme Singen,
Da r cklings wir in schwarzen Tod gesaust.

Im fernen Plan verlorner Himmelslande,
Im Meere weit, wo fern die Woge flog,
Wir flogen stolz in Abendrotes Brande
Mit Segeln gro , die Sturm und Wetter bog.

Was fanden wir im Glanz der Himmelsenden?
Ein leeres Nichts. Nun schlappt uns das Gebein,
Wie einen Pfennig in den leeren H nden
Ein Bettler klappern l t am Stra enrain.

Was wartet noch der Herr? Das Haus ist voll,
Die Kammern rings der Karawanserei,
Der Markt der Toten, der von Knochen scholl,
Wie Zinken laut hinaus zur W stenei.

Was kommt er nicht? Wir haben T cher an
Und Totenschuhe. Und wir sind gespeist.
Wo ist der F rst, der wandert uns voran,
Des gro e Fahne vor dem Zuge reist?

Wo wird uns seine laute Stimme wehen?
In welche D mmerung geht unser Flug?
Verlassen in der Einsamkeit zu stehen
Vor welcher leeren Himmel Hohn und Trug?

Ruhen wir uns aus im stummen Turm, vergessen?
Werden wir Welle einer Lethe sein?
Oder, da Sturm uns treibt um Winteressen,
Wie Dohlen reitend auf dem Feuerschein?

Werden wir Blumen sein? Werden wir V gel werden,
Im Stolze des Blauen, im Zorne der Meere weit?
Werden wir wandern in den tiefen Erden,
Maulw rfe stumm in toter Einsamkeit?

Werden wir in den Locken der Fr he wohnen,
Werden wir bl hen im Baum, und schlummern in Frucht,
Oder Libellen blau auf den See-Anemonen
Zittern am Mittag in schweigender Wasser Bucht?

Werden wir sein, wie ein Wort von niemand geh ret?
Oder ein Rauch, der flattert im Abendraum?
Oder ein Weinen, das pl tzlich Freudige st ret?
Oder ein Leuchter zur Nacht? Oder ein Traum?

Oder - wird niemand kommen?
Und werden wir langsam zerfallen,
In dem Gel chter des Monds,
Der hoch ber Wolken saust,
Zerbr ckeln in Nichts,
- Da ein Kind kann zerballen
Unsere Gr e dereinst
In der d rftigen Faust.

[Andreas Gryphius, Ebenbild unsers Lebens / Auff das gew hnliche K nigs-Spiel]

DEr Mensch das Spiel der Zeit / spielt weil er alhie lebt.
Im Schau-Platz dieser Welt; er sitzt / vnd doch nicht feste.
Der steigt vnd jener f llt / der suchet die Pal ste /
Vnd der ein schlechtes Dach / der herrscht vnd jener webt.
Was gestern war ist hin / was itzt das Gl ck erhebt;
Wird morgen vntergehn / die vorhin gr ne Aeste
Sind numehr d rr vnd todt / wir armen sind nur G ste
Ob den ein scharffes Schwerdt an zarter Seide schwebt.
Wir sind zwar gleich am Fleisch / doch nicht von gleichem Stande
Der tr gt ein Purpur-Kleid / vnd jener gr bt im Sande /
Bi nach entraubtem Schmuck / der Tod vns gleiche macht.
Spilt denn di ernste Spiel: weil es die Zeit noch leidet /
Vnd lernt: da wenn man von Pancket de Lebens scheidet:
Kron / Wei heit / St rck vnd Gut / sey ein geborgter Pracht.

[August Stramm, Kriegsgrab]

St be flehen kreuze Arme
Schrift zagt blasses Unbekannt
Blumen frechen Staube sch chtern
Flimmer
tr net
glast
Vergessen.




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